Von Künstlern lernen – Roman Signer

  • mit 80 in die Tonne fliegen

Nach meinem allerletzten Seminar am Institut für Arbeitswissenschaften besuchte ich die Ausstellung von Roman Signer in der Kestner-Gesellschaft Hannover. Eine Arbeit ließen mich sofort an mein Studium denken:

Flug-Kunst

In einem Fass, eines der wiederkehrenden Elemente in Roman Signers Kunst, steht ein Quadrocopter. Der Künstler flog ihn vor ein paar Tagen selber hinein. Er ist ein 80-jähriger Mann. Was tut das zur Sache? Wichtiger ist, dass er es im vierten Versuch schaffte. Zu den anderen drei Versuchen bemerkte er ausdrücklich, dass sie nicht etwa „Fehlversuche“ gewesen seien, sondern Teil der künstlerischen Arbeit, der letztendlichen Lösung. Beim Seminar hatte Michaela Schweickert (osb-international) davon berichtet, dass 60 % aller IT-Projekte scheitern würden. Ich frage mich, wie die Auftraggeber reagieren würden, wenn die Berater, die dieses Scheitern „zu verantworten haben“ (scheitert das System oder scheitern die Berater?) behaupten würden, dieses gescheiterte Projekt wäre ein integraler Bestandteil einer gelingenden Lösung. Auf jeden Fall wäre das eine charmante Arbeitsbeschaffungsmaßnahme… Was aber ohne Ironie dahinter stehen kann, sollte, müsste: Fehler können nur als Bestandteil von Lösungen, als Lern- und Reflektionsanlass gesehen werden. Nur der Fehler bietet die Möglichkeit, etwas zu verbessern. Ein wiederholt auftretender Fehler kann wertvolle Informationen über das System geben. Es kann nicht die Lösung sein, ihn auszumerzen und den Schuldigen zu suchen, sondern grundsätzlich davon auszugehen, dass alle Beteiligten jeweils das Beste gegeben haben. Ein Mindset des Vertrauens. Ohne dieses Vertrauen wären die agilen Methoden, die Inhalt des Seminars waren, nicht sinnvoll durchführbar. Auch im Falle von Signer muss ich vertrauen: Hat der Künstler „wirklich“ dieses Modell hineingeflogen? Ist das für die Betrachtung des „Kunstwerkes“ wichtig? Ist seine „Kunst“, dieses besonders gut getan zu haben? Ist seine Kunst Fragen aufzuwerfen? Wie kann die Einbeziehung beratungsferner Felder wie der „Kunst“ die Beratungsarbeit verbessern?